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#Lehrermangel? Ich stehe bereit. #Hilferuf #Referendariat #quovadis #ZahlenBitte

Von einem, der auszog, das Lernen zu lehren…

Da ich mittlerweile im schönen Schleswig-Holstein wohne, habe ich mich hier oben für das Referendariat beworben. Überall hört man von Lehrermangel (wie zum Beispiel in der LN, aber auch in der SHZ und sicher auch noch an ganz vielen anderen Stellen). Meine Nachhilfeschüler klagen auch regelmäßig über ausfallenden Unterricht, gerade in den MINT-Fächern, die ja laut BMBF sehr wichtig sind, helfen sie doch, die Welt um uns herum besser zu verstehen.

Dennoch warte ich seit gut zwei Jahren auf meine Stelle. Vor gut einem Jahr, nach einer Ablehnung, hatte ich dann die „Faxen dicke“ und habe eine Anfrage über „FragDenStaat“ gestellt, im vorletzten Halbjahr darauf und vor kurzem auch nochmal. Die daraus resultierenden Zahlen waren… ernüchternd. Mittlerweile gehe ich auch zu diversen BarCamps und erzähle da vom Mythos Lehrermangel – meine Präsentation darf gerne verwendet werden.

Zunächst: nach eben jenen Zahlen scheinen (fast) alle Lehrerstellen besetzt zu sein. Dies ist interessant, vergleicht man die persönlichen aber auch in den Medien bekannten Aussagen, dass ständig Unterricht ausfällt. Dabei sind 802 öffentliche allgemeinbildende und berufsbildende Schulen ausgewiesen worden. Das macht ganze 28,3 Lehrer pro Schule. So weit, so statistisch. Effektiv fallen pro Schuljahr einige Kollegen durch Krankheit aus, machen Sabbatjahr, gehen in Schwangerschaftspause… kurzum: Sobald einer ausfällt, wird sich das im Schulalltag bemerkbar machen. Die Daten werden statistisch übrigens nicht umfassend erfasst – oder zumindest nicht die über die ausfallenden Lehrkräfte. Seit meiner vorletzten Anfrage bekam ich Statistiken zum Unterrichtsaufall:

UAusfall

Dennoch fand ich im letzten Schuljahr keine Aushilfslehrstelle, um zumindest ein wenig mehr Schulpraxis zu bekommen, als ich sie derzeit im Nachhilfeinstitut bekommen könnte. Im Übrigen konnte man mir bei meiner ersten Anfrage dazu keine Auskunft geben, wie viele Hilfslehrer im Einsatz sind, da man diesen Begriff gar nicht kenne. In der zweiten Anfrage war ich schlauer und fragte anstelle nach ‚Hilfslehrern‘ nach dem gültigen Begriff: „Es handelt sich um für Lehrtätigkeit eingesetzte Personen, die nicht die Befähigung für ein Lehramt besitzen.“ Davon gab es auf 502 Stellen gesamt 859 Personen. Bei 797 Schulen also etwa 0,6 Stellen pro Schule.
Gehen wir davon aus, dass das natürlich vor allem in Universitätsstätten vorkommt, wo dann auch entsprechende Student*innen an den Schulen arbeiten könnten – dennoch ist diese Zahl so niedrig, dass hier klar wird: Wenn die Schulen könnten, würden sie sicher mehr Leute einstellen und nicht nur Pensionierte zurückholen. Es fehlt also sicher eher an Geld für das Personal, wie mir auch bei diversen Vorstellungsgesprächen von Schulleitern versichert worden ist.

UVertretung
Ein Kollege von mir, studierter Physiker, Quereinsteiger, der zunächst Berufserfahrung sammeln muss, um den Quereinstieg machen zu können, fand jetzt nach einem Jahr eine Stelle in einem 75km entfernten Ort. Um dort besagte praktische Erfahrungen machen zu können. Noch nicht den Quereinstieg, aber der kommt dann nach einem Jahr Praxiserfahrung – und danach wird er vermutlich wieder umziehen müssen. Dabei ist der Quereinstieg auch nicht zwangsweise die leichteste Wahl in Schleswig-Holstein, da die Auswahl der Schulformen stark begrenzt wird.

Faktencheck

Kommen wir zu weiteren Fakten: Auf 465 Referendariatsplätze (Stand 01.02.2018) bewarben sich gut 1216 Personen. Das macht eine Abdeckung von 261%. Dabei gibt es keine spezielle Aufschlüsselung nach Fächern, da diese Daten statistisch nicht erfasst werden – [update] zumindest wird, seit meiner zweiten Anfrage, auch die Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen mitgeliefert. Dabei sind Bewerber*innen für das Gymnasium deutlich stärker vertreten als für Grundschulen. Ein Umstand, der auch der Presse auffiel, denn bald herrscht in diesem Sektor Lehrermangel. Vielleicht würde eine gleiche Bezahlung der Lehrkräfte hier einiges tun. Schleswig-Holstein geht einen ersten Schritt und wird Lehramtsanwärter*innen ab 2019 60€/Monat mehr zahlen.
Mecklenburg-Vorpommern ist da kreativer: Der Vorbereitungsdienst mit Doppelqualifikation – „Referendarinnen und Referendare des Lehramts an Regionalen Schulen erwerben neben dem Zweiten Staatsexamen für das von ihnen studierte Lehramt die Unterrichtserlaubnis für die Tätigkeit an Grundschulen. Referendarinnen und Referendare des Lehramts an Gymnasien erwerben neben dem Zweiten Staatsexamen eine Unterrichtserlaubnis für die Tätigkeit an Grundschulen oder Regionalen Schulen.“

Da aktuell ja in der Presse davon gesprochen wird, dass bis 2025 ganze 1 Millionen zusätzliche Schüler zu erwarten sind, und die Überalterung sicher nicht nur in Thüringen und NRW ein Problem ist, finde ich diese Zahlen absolut bedenklich. Wie kann es sein, dass überall von Lehrermangel geschrieben wird, aber letztendlich keine ausreichend starke Lehrerausbildung stattfindet? Immerhin will Schleswig-Holstein digital voran gehen, aber der Interessenverband DiWiSH sieht eher ein Handicap in der aktuellen Entwicklung. Achja: Und wir schaffen im „echten Norden“ G8 wieder ab. Braucht es da nicht auch dringend mehr Lehrer, bei einem weiteren Jahr Beschulung?

Die Lehrer(in) aus Leidenschaft (@LeAuLei) hat sich bezüglich der aktuellen Anforderungen und Belastung der Lehrer*innen im Februar 2018 ein paar Gedanken gemacht:

[Übrigens ein längerer „Thread“ auf Twitter. Unbedingt durchlesen!]

Persönliches (Zwischen-)Fazit

Überall wird nach Lehrern geschrien, die Zahlen zeigen aber: Ausbildung der Lehrkräfte ist zumindest in Schleswig-Holstein nicht im Fokus. [Daten zu Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind bereits angefragt – zumindest von Hamburg kam ein „das wird aber echt Arbeit“ zurück. M-V hat bisher nicht einmal reagiert, vermutlich sind sie zu analog, um auf digitale Anfragen zu reagieren.]
Dazu kommen die Erfahrungen von mir, meinen Kollegen und Bekannten: Es ist nicht einfach, Lehrer zu werden, und die Arbeit wird hinterher auch selten leichter – oder gar wird es einem gedankt, wenn man von all den Helikoptereltern und dem Lehrerbashing liest. Bildung, wohin gehst du? Tatsache ist, dass ich mir mittlerweile einen Anwalt genommen habe, um den Fall zu beschleunigen. Letztendlich will ich doch „nur“ Lehrer werden. Bitte, lasst mich!

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Von Tonspuren, Kassetten und anderen Relikten

Geburtstagsgeschenke sind immer so eine Sache für sich. In der Regel bin ich ein Fan von praktischen Geschenken: Kulinarische Genüsse, schnöder Mammon oder eben was selbst Gebasteltes.

Da die Feier jetzt vorbei ist und die Geburtstagskinder ihre Geschenke bekommen haben, kann ich endlich aus dem Nähkästchen plaudern.

Um was geht es?

Zusammen mit einigen Kolleginnen kamen wir auf die Idee, dass wir den drei Fans der drei ??? doch ein Hörspiel neu aufnehmen konnten. Dank der guten Arbeit von Rocky Beach fanden wir ein passendes Skript. Ich habe dabei unter anderem eine Rolle eingesprochen, aber auch den Schnitt vorgenommen. Da ich dergleichen noch nie gemacht habe, möchte ich in diesem Blogbeitrag von meinen Erfahrungen berichten.

Von Kollaboration, Information und Ton

„Die gemeinsame Arbeit fand in der Cloud statt.“ Hach, ein schöner Satz. Wir nutzten Google Drive, teilten die Scripte miteinander, schrieben sie passend auf die Geburtstagskinder um und nummerierten die entsprechenden Sätze durch. Danach teilten wir uns die vorhandenen Rollen zu. Schnell wurde uns klar: Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw müssen bleiben! Ebenso fand sich kein guter Ersatz für den Erzähler. Dementsprechend waren die restlichen Rollen schnell verteilt.
Da alle ihre Aufnahmen Zuhause erstellten, waren die Hardware-Voraussetzungen vermutlich prinzipiell grundverschieden. Wir nutzten bei uns Zuhause Rechner mit Headsets, andere wiederum sprachen die Texte auf ihren Smartphones ein. Die entsprechenden Dateien waren also durchweg nicht von gleicher Qualität und Lautstärke, ebenso gab es einige Pausen, die wegzuschneiden waren.

Um von vorn herein ein Chaos zu vermeiden, gaben wir den Dateien die Namen der entsprechenden Scriptnummer, angehangen vom Namen der Aufnehmenden. Schon vorab: Es musste nichts neu eingesprochen werden! 🙂 Dennoch war das bereits eine erste Hürde…

Von Audacity, mp3, m4p und anderen Dingen

Als Programm zur Tonbearbeitung wählte ich Audacity. Es handelt sich hierbei um eine Open Source Software.

audacityScreenshot von Audacity

Zunächst nahm ich mir die Originaldatei vor und zerschnitt sie. Dabei markierte und kopierte ich entsprechende Abschnitte und nutzte die Exportfunktion von Audacity, um die Dateien als mp3 abzuspeichern.

Dann legte ich ein neues Projekt an und es ging los. Jede Aufnahme musste nachträglich geschnitten und meist auch angepasst werden. Audacity bietet diese Optionen an, man kann Passagen nachträglich markieren und löschen oder verstärken. Es wurden insgesamt etwa 350 Passagen zusammengefügt, geschnitten und bearbeitet. Da einige Aufnahmen als m4p vorlagen (ein Format, was wohl vor allem bei Apple-Geräten erzeugt wird?), musste ich diese zunächst umwandeln. Hierbei half mir das Freeware-Tool Free M4a to MP3 Converter von Maniactools.

 

Am Ende normalisierte ich den Ton mit Audacity (eine Funktion, die die Lautstärke in allen Bereichen etwa gleich laut macht) und exportierte das ganze wieder.

Relikte einer vergessenen Zeit

Das nächste Problem: Wir wollten das Hörspiel natürlich klassisch darbieten: Als Kassette! Dank des Kapitalismus ist ja alles zu kaufen: Amazon verschickt immer noch leere Kassetten. Doch wie bekommt man eine mp3 da drauf? Anja und ich haben eine Weile experimentiert…

Da wir immer noch unsere alte Stereoanlage im Schrank stehen haben – dank externen Soundeingängen kann man ja auch super vom Smartphone aus die Boxen ansteuern – war der erste Gedanke, dort die mp3 im Smartphone abzuspielen und auf Kassette aufzunehmen. Das Problem könnte man mit folgendem Dialog wiedergeben:

Entwickler der Stereoanlage: „Wir haben die Möglichkeit, externe Geräte per Klinke anzuschließen. Sollen die Nutzer jetzt auch aufnehmen können?“
Manager: „Was, wozu? Wer sollte denn was anderes aufnehmen als von CD? CDs werden nie aussterben!“

Nunja. In unseren alten Beständen fanden wir tatsächlich eine RW. Windows bietet seit einigen Jahren selbst die Funktion, Musik-CDs zu brennen. Die MP3 eingefügt, vorher die Outtakes angehangen, zack, bespielte CD-RW. „Moment, konnten Stereoanlagen RW lesen?“ In unserem Fall die Antwort: nein.
Noch tiefer unten im Schrank fanden wir dann sogar noch eine CD-R. Diese wurde dann von der Stereoanlage erkannt. Es konnte losgehen: Die CD wurde auf Kassette aufgenommen.

Undercover

Die nächste Schwierigkeit: Das Cover. Eine der Kolleginnen scante das alte Cover ein und bearbeitete die entsprechenden Passagen, damit unsere Geburtstagskinder „ihre“ Version bekamen. Dennoch: der Scan war natürlich nicht wirklich perfekt gerade ausgerichtet.

Als Bildbearbeitungssoftware verwendete ich GIMP, eine freie Software mit offenem Source Code. Nach kleinem Drehen, Zuschneiden und Anpassen an die Größe des Kassetten-Inlays hatten wir jetzt also auch individualisierte Kassetten!

GIMP.png
Screenshot von GIMP

… und wenn der Hund nicht gewesen wäre…

Das war mein kleiner Ausflug in die Welt der Ton- und Bildbearbeitung. Ich habe einige interessante freie Software kennen lernen und mich damit „fortbilden“ dürfen. (Von wegen life long learning und so.) Ich hoffe, den Geburtstagskindern gefällt ihr Geschenk, wir waren alle sehr erstaunt über das Ergebnis und sind um einige Erfahrungen reicher.

Tangentenpädagogik, die: Am Ist vorbei lehren.

Man ist im Kreis oder drumrum.

Letztens haben wir im kleinen Kreis darüber diskutiert, ob es einen Begriff dafür gibt, wie aktuell Technik in den Schulen verwendet wird. Ich dachte an die Gespräche mit meinen (Nachhilfe-)Schülern im letzten Schuljahr. Seit Jahren scheinen Schulen  an den technischen Gegebenheiten und dem Fortschritt vorbeizulehren. Als Mathematiker kam mir da die Tangente in den Sinn: Technik berührt die Pädagogik, kann sie aber nicht durchdringen. Ich dachte, den Begriff schonmal gehört zu haben, aber eine Google-Suche führte zu keinem Ergebnis. Darum: Spinnen wir mal rum!

Sekanten, Tangenten, Passanten.

Technik ist heutzutage allgegenwärtig, in den Schulen aber größtenteils verboten. Das wären die Passanten: Sie ignorieren und meiden die Technik und werden damit nicht in Berührung kommen, von „Laborexperimenten“ wie dem Informatikunterricht abgesehen.

„Innovation“ von thinkpublic. CC-BY-ND

Dann gibt es eben jene Schulen, die lockere Bestimmungen haben, was Smartphonenutzung angeht. Das wären die Tangenten: Sie nehmen die Technik wahr, nehmen sie aber nicht in ihren inneren Kreis auf. In der Regel heißt das, dass Smartphones in den Pausen genutzt werden dürfen. Sie finden aber nur in seltenen Fällen einen Einsatz im Unterricht, maximal als „Google-Suchmaschine“. Meine Schüler berichten hier aber von enormer Skepsis der Lehrer. Natürlich bekommt man hier nur Faktenwissen geliefert, was nicht bedeutet, dass man den Stoff verinnerlicht hat. Aber hier müsste der Lehrer eben ansetzen und zur Diskussion anregen, moderieren, lenken.

Einige wenige Leuchttürme gibt es, die Technik komplett integrieren, die Sekanten. Hier wird in vielen Bereichen die Technik genutzt, um analoge Lehrmethoden zu „revolutionieren“. Teilweise wird hier scheininnoviert: PDF ersetzen Papier, das Word-Dokument den Block. Es gibt aber auch andere Schulen, die deutlich vorangehen wollen, Smartphones und Tablets deutlich aktiver nutzen und Apps gezielt auswählen, um gemeinsam was zu lernen. Dank neuen Ideen offenen Schulleitern kann hier viel erreicht werden – im Idealfall erreicht man sogar das Interesse der Schüler. Aber das sind die gefühlten 1% der oberen Spitze der Pyramide…

Der Kreis ist rund und die Stunde hat 60 Minuten.

Soviel zur Theorie. Meine Schüler kennen vor allem die Passanten. Smartphones sind im Raum Lübeck meist auf dem Schulgelände komplett verboten, ein Verstoß führt zum Einkassieren des Gerätes, im Idealfall kann man es sich nach Schulende wieder abholen. Einzig mit direkter Erlaubnis ist das böse Gerät hervorzuholen. Dabei sollte doch gerade im Experimentierraum Schule, eben jenem Spielfeld vor der „realen Welt“, gezeigt werden, was man mit den Dingern alles anstellen kann: GPS Spielchen ala Geocaching in Erdkunde, Chemie-Apps (vom Periodensystem über Titrationstrainer gibt es hier eine Menge), Vokabel-Trainer, Lernspiele, Programmierungshilfen… Es gibt so vieles!

Liest man sich das Konzept von #BYOD durch, erscheint das perfekt geeignet für Schulen: Technik mitbringen und gezielt anwenden, um Kosten und Aufwand zu sparen. Schaut man sich nun Twitter, Facebook etc. an und liest sich ein paar negative Kommentare bezüglich Urheber- und Nutzungsrechten, Rechten am eigenen Bild, Angst vor Missbrauch und viele andere Ängste durch, will man sich am liebsten den Aluhut aufsetzen. Dazu kommen Argumente wie „Ich nutze nicht mein privates Gerät im Unterricht, wenn mir die Schule also kein Dienstgerät stellt, mache ich das nicht mit!“. Man fordert also #BYOD ein, ist aber nicht bereit, mitzumachen.

Was sagen meine Schüler dazu? In der Regel sind diese vor allem enttäuscht: Zuhause nutzen sie Suchmaschinen, vernetzen sich, lösen Aufgaben (halbwegs) kollaborativ im Netz oder schreiben mittlerweile effektiver ab, als wir es früher jemals gemacht haben. Und sie nutzen dafür all diese bösen Dienste, die im Experimentierraum Schule verboten sind.

TL;DR.

Ich hege ja weiterhin die Hoffnung, dass Schulen sich immer weiter öffnen und Technik zulassen. Die Schule bei uns gegenüber hat einen sehr schönen Weg gewählt: Sie haben ein eigenes Freifunk-Wifi und umgehen so etwaige Probleme. Das kann aber nicht die Lösung sein: Schulen müssen sich wandeln und endlich akzeptieren, dass Technik da ist. Nicht einmal besser, schneller oder effektiver. Denn wenn sie in den Köpfen angekommen ist, findet man über die Akzeptanz auch eine Möglichkeit zur Integration in den Unterricht, eben jene „Medienkompetenz“, die so oft gefordert wird. Und weg von der Tangente oder gar der Passante.

Wie man bei @vodafone_de bei #DSL Problemen behandelt wird, die man nicht selbst verursacht.

Vielen lieben Dank, Vodafone.
Seit Anschlussstellung vor 2 Jahren haben wir in unserem Haus allvierteljährlich für 1-2 Wochen am Stück Dauerabbrüche des Internet zu den Hauptstoßzeiten, also ab 16:00 Uhr, teils bis 24 Uhr. Die gesamte Leitung reißt dann immer komplett ab, das DSL muss sich neu synchronisieren, die Telefonleitung fällt aus…
Nachdem wir vor einem Jahr deswegen bereits vier Techniker im Haus hatten, von denen wir, nachdem wir eine Rechnung bekamen, nach Protest den Rechnungsbetrag auch gutgeschrieben bekamen, nun die nächste „schöne Aktion“:
Vor zwei Wochen war, nachdem wieder vermehrt Abbrüche entstanden, wieder ein Techniker im Haus. Nachdem der Termin von der Zentrale bestätigt wurde („nach 16 Uhr, vorher merken Sie eh nix“), bekam ich einen Anruf, ob er nicht doch den Tag vorher könnte, er hätte gerade Zeit. („.. und die Fehler messen wir eh so, da braucht er nicht dabei zu sein.“)
Vor mir stand dann ein sehr perplexer Techniker, denn die Leitung sei ja, wie er meinte, fehlerfrei. Wir erinnern uns: Falsche Uhrzeit… Gott sei Dank begannen an dem Tag die Probleme bereits um 14:30 Uhr, er war live dabei..
Als er also nun so zusah, wie im Routerprofil (!!!) die Verbindung abbrach, meinte er zunächst, den Widerstand an der TAE Buchse als Fehlerquelle ermittelt zu haben. Okay, mal was neues…
Gesagt, getan, TAE getausch. Oh, Abbrüche in der Verbindung!
Die Anzahl der Verbindungsabbrüche brachte wohl auch die EasyBox 803 zum Glühen, sie rauschte kurzzeitig ab und startete neu.
„Ja, dann ist die Box kaputt!“ schrie er einem „Heureka“ gleich. Box getauscht. Nachdem ich ihm sagte, dass das bereits die 5. Box ist, meinte er nur, dass das halt vorkommen könne. Ich fragte ihn wegen der Kosten: Immerhin war ich mir SICHER, dass die Box nicht Fehlerquelle sein kann, ich würde die Kosten nicht übernehmen, wenn das der einzige Bericht sei, den er weitergebe. Ich solle den Auftragszettel nicht gegenzeichnen, dann würde das intern eh nochmal durchdiskutiert.

Kurzum: Gestern kam die Abrechnung von Vodafone. Erneut 60 Euro, die WIR zahlen sollen, obwohl eindeutig kein Problem innerhalb des Haushaltes vorliegt. Die Abstürze blieben weiterhin, wenngleich schwächer – vermutlich wird unsere 7.000 DSL Verbindung mittlerweile priorisiert behandelt, seitdem wir damals unsere 16.000 DSL Verbindung nachträglich drosseln ließen, weil die nicht ansatzweise stabil lief. Im übrigen für den gleichen Preis monatlich, nicht, dass wir jetzt günstiger wegkommen.

Ich bin schwer enttäuscht von Vodafone. Gigantischer lustiger Nebenaspekt: Die Kündigungsfrist ist gerade einen Monat um. Sonst wären wir schon lange weg. Entschuldigung, aber wenn man ewig Probleme auf einer Leitung hat und DANN auch noch dafür zahlen darf, dass man WENIGER bekommt und einem gesagt wird, dass KEIN Problem vorliegt, fühle ich mich als Kunde sehr desillusioniert.

Ich finde es wichtig, andere Kunden zu informieren, wie man teilweise behandelt werden kann, und bin schwer enttäuscht von einer solch großen Firma. Schriftliche Beschwerde folgt, ein Anbieterwechsel ist bereits geplant.

#sooc13 Rückblick: Wissensbuch

Ein paar Wochen sind vergangen, seit ich, bewegt durch den Sooc13, auf die Idee aufmerksam wurde, Schüler dazu zu bewegen, ihr benötigtes Wissen in Form einer persönlichen Formelsammlung bzw eines Wissensbuchs anzulegen. Dabei ging ich davon aus, dass im Matheunterricht eigentlich zwei Seiten einer Aufgabe bestehen: Die Toolbox, die man mitbringen sollte, und die informative Seite. Die Toolbox beinhaltet alle Formeln, Umformungen, sprich alle Rechenoperationen, die man anwenden können sollte. Die informative Seite fragt nach dem Warum der Aufgabe: Was bedeutet der Wert, wie hilft mir das weiter, muss ich wirklich alles ausrechnen oder reicht auch…?

Das Feedback hatte mich ehrlich gesagt umgehauen.
Innerhalb meiner Nachhilfegruppen waren alle Schüler begeistert bei der Sache, von der Oberstufenschülerin, die sich im if-this-then-that-Verfahren Regeln zur Anwendung von Vektoraufgaben aufschrieb, bis hin zur Sechstklässlerin, die unbedingt in eigenen Worten aufschreiben wollte, wie sie am Wahrscheinlichkeitsbaum rechnen kann (siehe Bild im Blog). Auch die Kollegen fingen an, ihre Schützlinge selbst formulierte Regeln notieren und diese getrennt abheften zu lassen.

Der Erfolg laut Feedback war, dass die Schüler sich wesentlich bewusster wurden, welchen stofflichen Umfang sie in ihrer nächsten Arbeit zu erwarten haben. Dafür kann ich dem sooc nur danken.

Kleines Beispiel: Einer meiner Schüler musste leider doch in die Abweichungsprüfung fürs Abitur, leider nicht wegen zu guten Ergebnissen. Wir hatten 2-3 Wochen Zeit zur Vorbereitung. In der ersten Stunde analysierte ich per Mindmap an den Hauptthemen (Lineare Algebra und Analysis), wie seine Toolbox aussieht – diesen Teil konnte er besonders gut, insofern wusste ich, dass hier keine Probleme bestehen werden – und wo der informative Teil der Aufgaben zu suchen ist. Gerade das Warum bereitete ihm enorme Probleme, und da 11 Punkte angestrebt wurden, mussten wir richtig Gas geben…

Die Mindmap ließ ich ihn abfotografieren (wozu auch abschreiben, wenn man davon dann doch nicht so viel hat?) und nach und nach „abhaken“, was davon geklärt war. Ihm half insofern die Mindmap, als dass ihm von vorne herein der Umfang der Nachprüfung bewusst wurde und er gleich die Toolbox in den Kontext der Aufgaben bringen konnte, was ihm früher nie leicht fiel.

Ergebnis waren übrigens 13 Punkte, wir freuten uns enorm. 🙂

[Nachtrag: Beitrag nochmal etwas länger formuliert, unterwegs per App wirkt so ein Blogpost irgendwie vieeeel länger!]

Das Abitur rückt näher…

… Und damit immer mehr Fragen meiner Nachhilfeschüler. Vor allem die Pannen der letzten Jahre beschäftigt sie: wie kam es dazu, was wurde da fälschlicherweise gefragt, kann mir das auch passieren?
Fakt ist, dass immer mehr meiner Schüler teils Themengebiete im Unterricht behandeln, die da zwar nett sind, aber nicht ins Abitur kommen. Ich finde das teils gut, immerhin wird damit ein deutlich tieferer Einblick in die Mathematik gewährt. Negativ ist höchstens die Verwirrung und natürlich der Unmut, solche Aufgaben zu erledigen.

Insgesamt bleiben die Schüler skeptisch. NRW lieferte sich im letzten Jahr so viele Pannen in der Mathearbeit, dass die Befürchtungen zur Wiederholung groß sind. Bleibt mir die Freude, ihnen dennoch zu vermitteln, dass Mathe doch “nur“ eine logische Sprache und Herangehensweise ist. Mit festen, erkennbaren Regeln.

Statistik in der Realität: Schulausfall

Lange war es still in meinem Blog. Ich habe immer mehr überlegt, wohin ich eigentlich gehen will, ob ich jetzt „nur noch“ Netzfundstücke verarbeite, doch etwas Seele hineinstecke, politische Themen mit herausgreife. Irgendwann dachte ich mir: Wenn das Thema es her gibt, wieso nicht?

Passend dazu fand ich vor kurzem einen Bericht vom MDR, in dem vom Schulausfall in Sachsen berichtet wird – und wie die Statistiker der Ämter damit umgehen. Sehr interessant fand ich dabei, dass unter anderem Unterricht, der nicht betreut wird, also Stillarbeit ohne Aufsicht, auch als „nicht ausgefallene Stunde“ gewertet wird. Ebenso wird jede vertretene Stunde, egal ob fachfremd oder nicht, als durchgeführt gewertet.

Passend dazu fragte ich in letzter Zeit bei meinen Schülerinnen und Schülern, wie sie diese Praxis in ihrer Schule erlebten. Erschreckenderweise konnten mir das alle bestätigen. Teilweise fallen Lehrer wochenlang aus, geben für die Zeit einfach genug Hausaufgaben auf und lassen sich nicht vertreten, da die Lehrer an den Schulen ohnehin knapp sind. Andere Schulen setzen Studenten ein, die dank teilweise abgeschlossenem Studium dann unterrichten – für einen Hungerlohn, wie ich von einem Kommiltonen erfuhr, aber „besser als nichts“. Die Konsequenz der Schulen, wenn die Noten dann sich deutlich verschlechtern, ist oft Förderunterricht – bei Lehrern, die ohnehin schon einen vollen Terminplan haben.

Als Nachhilfelehrer habe ich natürlich einen Nutzen daran – Nachhilfe ist noch nie so gefragt gewesen wie derzeit, dank Leistungsdruck, Quotenerfüllung und G8-Umstellung. Aber wenn ich mir überlege, dass ich, wenn meine elendigen Ämter sich endlich mal bemühen, auch Lehrer werde, dann graut es mir schon ein wenig vor dem Arbeitseinsatz und der vermutlich angeschlagenen Moral der Schüler. Ich freue mich seit Jahren darauf, Schülern Wissen vermitteln zu können. Derzeit komme ich mir eher wie ein Psychologe vor, der erstmal Schulterklopfer verteilen muss, bevor er dann Wissen vermittelt. Traurige Entwicklung.

Sachsenspiegel zum Unterrichtsausfall

Wie zum Geier..

Willkommen auf meinem Blog.

Da meine Arbeit – ich gebe seit etlichen Jahren Nachhilfe – meistens daraus besteht, dem nächsten Schüler in der nächsten Gruppe das gleiche wie dem Schüler aus der aktuellen Gruppe zu erzählen, ging mir durch den Kopf: Wie zum Geier bekommst du das einfacher hin?

Nun, die einfachste Antwort ist dieser Blog. Hier möchte ich gerne Themen bearbeiten und vorstellen, die mir in der Nachhilfe immer wieder begegnen. Natürlich nehme ich auch gerne Themenvorschläge an und werde mich dann bemühen..

Da meine Fächer Mathematik und Chemie sind, also Fächer der Naturwissenschaft, „furztrocken und staubig“, wie meine Schüler gerne betonen, suche ich mir regelmäßig „reelle“ Beispiele für die Themenblöcke. Wie soll man einen Torbogen ohne Parabel entwerfen? Warum darf ich Äpfel und Birnen nicht mischen? Und was zum Geier will eigentlich Gauss – außerhalb der üblichen Ballerspiele als Kanone? Fragen über Fragen, die ich im Laufe der Zeit beantworten will. Wir werden sehen.