KaiObis Blog

So kann mans auch sehen…

Kategorie-Archiv: Netzfundstücke

Von Tonspuren, Kassetten und anderen Relikten

Geburtstagsgeschenke sind immer so eine Sache für sich. In der Regel bin ich ein Fan von praktischen Geschenken: Kulinarische Genüsse, schnöder Mammon oder eben was selbst Gebasteltes.

Da die Feier jetzt vorbei ist und die Geburtstagskinder ihre Geschenke bekommen haben, kann ich endlich aus dem Nähkästchen plaudern.

Um was geht es?

Zusammen mit einigen Kolleginnen kamen wir auf die Idee, dass wir den drei Fans der drei ??? doch ein Hörspiel neu aufnehmen konnten. Dank der guten Arbeit von Rocky Beach fanden wir ein passendes Skript. Ich habe dabei unter anderem eine Rolle eingesprochen, aber auch den Schnitt vorgenommen. Da ich dergleichen noch nie gemacht habe, möchte ich in diesem Blogbeitrag von meinen Erfahrungen berichten.

Von Kollaboration, Information und Ton

„Die gemeinsame Arbeit fand in der Cloud statt.“ Hach, ein schöner Satz. Wir nutzten Google Drive, teilten die Scripte miteinander, schrieben sie passend auf die Geburtstagskinder um und nummerierten die entsprechenden Sätze durch. Danach teilten wir uns die vorhandenen Rollen zu. Schnell wurde uns klar: Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw müssen bleiben! Ebenso fand sich kein guter Ersatz für den Erzähler. Dementsprechend waren die restlichen Rollen schnell verteilt.
Da alle ihre Aufnahmen Zuhause erstellten, waren die Hardware-Voraussetzungen vermutlich prinzipiell grundverschieden. Wir nutzten bei uns Zuhause Rechner mit Headsets, andere wiederum sprachen die Texte auf ihren Smartphones ein. Die entsprechenden Dateien waren also durchweg nicht von gleicher Qualität und Lautstärke, ebenso gab es einige Pausen, die wegzuschneiden waren.

Um von vorn herein ein Chaos zu vermeiden, gaben wir den Dateien die Namen der entsprechenden Scriptnummer, angehangen vom Namen der Aufnehmenden. Schon vorab: Es musste nichts neu eingesprochen werden! 🙂 Dennoch war das bereits eine erste Hürde…

Von Audacity, mp3, m4p und anderen Dingen

Als Programm zur Tonbearbeitung wählte ich Audacity. Es handelt sich hierbei um eine Open Source Software.

audacityScreenshot von Audacity

Zunächst nahm ich mir die Originaldatei vor und zerschnitt sie. Dabei markierte und kopierte ich entsprechende Abschnitte und nutzte die Exportfunktion von Audacity, um die Dateien als mp3 abzuspeichern.

Dann legte ich ein neues Projekt an und es ging los. Jede Aufnahme musste nachträglich geschnitten und meist auch angepasst werden. Audacity bietet diese Optionen an, man kann Passagen nachträglich markieren und löschen oder verstärken. Es wurden insgesamt etwa 350 Passagen zusammengefügt, geschnitten und bearbeitet. Da einige Aufnahmen als m4p vorlagen (ein Format, was wohl vor allem bei Apple-Geräten erzeugt wird?), musste ich diese zunächst umwandeln. Hierbei half mir das Freeware-Tool Free M4a to MP3 Converter von Maniactools.

 

Am Ende normalisierte ich den Ton mit Audacity (eine Funktion, die die Lautstärke in allen Bereichen etwa gleich laut macht) und exportierte das ganze wieder.

Relikte einer vergessenen Zeit

Das nächste Problem: Wir wollten das Hörspiel natürlich klassisch darbieten: Als Kassette! Dank des Kapitalismus ist ja alles zu kaufen: Amazon verschickt immer noch leere Kassetten. Doch wie bekommt man eine mp3 da drauf? Anja und ich haben eine Weile experimentiert…

Da wir immer noch unsere alte Stereoanlage im Schrank stehen haben – dank externen Soundeingängen kann man ja auch super vom Smartphone aus die Boxen ansteuern – war der erste Gedanke, dort die mp3 im Smartphone abzuspielen und auf Kassette aufzunehmen. Das Problem könnte man mit folgendem Dialog wiedergeben:

Entwickler der Stereoanlage: „Wir haben die Möglichkeit, externe Geräte per Klinke anzuschließen. Sollen die Nutzer jetzt auch aufnehmen können?“
Manager: „Was, wozu? Wer sollte denn was anderes aufnehmen als von CD? CDs werden nie aussterben!“

Nunja. In unseren alten Beständen fanden wir tatsächlich eine RW. Windows bietet seit einigen Jahren selbst die Funktion, Musik-CDs zu brennen. Die MP3 eingefügt, vorher die Outtakes angehangen, zack, bespielte CD-RW. „Moment, konnten Stereoanlagen RW lesen?“ In unserem Fall die Antwort: nein.
Noch tiefer unten im Schrank fanden wir dann sogar noch eine CD-R. Diese wurde dann von der Stereoanlage erkannt. Es konnte losgehen: Die CD wurde auf Kassette aufgenommen.

Undercover

Die nächste Schwierigkeit: Das Cover. Eine der Kolleginnen scante das alte Cover ein und bearbeitete die entsprechenden Passagen, damit unsere Geburtstagskinder „ihre“ Version bekamen. Dennoch: der Scan war natürlich nicht wirklich perfekt gerade ausgerichtet.

Als Bildbearbeitungssoftware verwendete ich GIMP, eine freie Software mit offenem Source Code. Nach kleinem Drehen, Zuschneiden und Anpassen an die Größe des Kassetten-Inlays hatten wir jetzt also auch individualisierte Kassetten!

GIMP.png
Screenshot von GIMP

… und wenn der Hund nicht gewesen wäre…

Das war mein kleiner Ausflug in die Welt der Ton- und Bildbearbeitung. Ich habe einige interessante freie Software kennen lernen und mich damit „fortbilden“ dürfen. (Von wegen life long learning und so.) Ich hoffe, den Geburtstagskindern gefällt ihr Geschenk, wir waren alle sehr erstaunt über das Ergebnis und sind um einige Erfahrungen reicher.

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Blogstöckchen: Das 2×3 der Bildungsressourcen: Was waren „die letzten drei“ mit und ohne Geld?

Nominierungen sind was tolles. Dieses Mal im Zuge des #EdChatDE, als Vorbereitung zur nächsten Woche. Du kennst den nicht? Na, dann wirds Zeit.

Am Anfang war das Wort (oder gar mehrere?)…

Nächste Woche (Dienstag, 25.08. 2015) ist das Thema des Edchats: „Geiz ist geil?“. Das Fragezeichen dazu ist das interessante. In meiner Arbeit bei der Erstellung der Artikel für zugehOERt habe ich auch so einiges an Meinungen, Ideen und Fragen zu digitaler und freier Bildung einfangen und entwickeln können. Grundproblematik, gerade beim Thema OER, ist das, was Markus Deimann auch schön zusammenfasste: Bildung darf auch Geld kosten. Auch, wenn die Ressourcen dazu frei verfügbar sind.

Aber kommen wir zum Blogstöckchen. Was waren meine letzten 3 bezahlten und letzten 3 freien Bildungsressourcen? Da musste ich lange überlegen, vor allem über die Frage, wo ich da anfange. Ist mein Fahrrad eine Bildungsressource? Immerhin komme ich damit zur Arbeit und dort lerne ich ja auch was. Oder sind Stifte Bildungsressourcen, Kreide für die Tafel? Fangen wir mal mit den bezahlten „großen“ an, ich denke, da wirds schon enger ausfallen.

Wat nix kostet, is nix wert: Meine letzten drei bezahlten Bildungsressourcen.

Schwierig. Ich denke, wenn ich hier mal konkreter bleibe – also weg von den Fahrradeinzelteilen (wie demnächst ein neues Schloss, weil mein altes kaputtgewerkelt wurde) – dann ist hier echt Überlegen angesagt.

Re:publica

Das war so das erste, was mir eingefallen ist – vermutlich aufgrund der Größe des Events. Die Web 2.0 Konferenz. Ich habe jahrelang davon gehört, durch meinen Umzug in den Norden waren wir jetzt so nahe dran, dass der „Wieso nicht?“ Gedanke groß wurde. Insgesamt ein riesiges Ding, bei dem man unglaublich viel aufnehmen kann. Wenn man denkt, man sei technisch ja gar nicht so schlecht, kann man da mal hin, um festzustellen: Es gibt noch viel tiefer in Technik vertiefte Menschen als man selbst.

Die intention dahinter war auch zu schauen, was andere Menschen, die nicht auch aus dem Bildungssektor kommen, mit Technik anfangen. Wo steckt die technologische Entwicklung in der Bevölkerung und wo sind „wir Lehrer“ da eigentlich gerade? Die Antwort: Die Schulen sind noch weit zurück, auch wenn auf der Konferenz natürlich Leute waren, die Jahre voraus zu sein scheinen.

… und jetzt zu etwas völlig anderem.

Neue Lehrbücher.

Auch das ist mal schön. Meine Chefin hat mir für meine Nachhilfe (ich arbeite in so nem „bösen“ Institut) neue Bücher bestellt. Die, die ich wollte. Warum? Weil sie davon ausgeht, dass ich da schon nen Plan habe, wenn ich die brauche. Sie vertraut uns Angestellten da. Darum bekamen wir 2-3 Wochen Vorwarnung und durften dann bestellen, was wir brauchen, „solange es im Etatrahmen bleibt“.

Ich finde Bücher nach wie vor nicht verkehrt, auch in Zeiten des digitalen Wandels. Wieso? Sie liegen im Schrank, jeder kann sie rausnehmen, Lehrkräfte, Schüler, interessierte Eltern. Ich muss nicht erst schauen, ob die digitalen Endgeräte („Kulturzugangsgerät“ fand ich da auch schön als Begriff) alle einsatzbereit sind. Und leider auch aus einem ganz simplen Grund: Es gibt noch keine guten digitalen Lehrbücher für Mathematik, die man einfach mal nehmen könnte, um alle Altersstufen, die ich unterrichte, zufriedenzustellen. Das fängt beim Inhalt an (teils schlecht strukturiert, teils einfach auch zu wenige Aufgaben) und endet bei der Technik (mal versucht, ne altbackene Homepage auf nem Tablet zu öffnen? Grausig!).

Das waren jetzt ja an und für sich dann sicher schon 4-5 Bildungsressourcen. Wenn ich jetzt noch die Kreide, Stifte, Papier etc. dazu zähle, die mir meine Chefin sonst noch spendet, dann.. puh! Aber überlegen wir mal weiter.

Museumsbesuche und mehr.

Ha. Kurve gekriegt, lange überlegt, was mir noch so einfällt. Natürlich sind Museumsbesuche auch Bildungsressourcen! Leider ist das vorletzte Museum eher ein negatives Beispiel für gute Museumspädagogik. Im Hansemuseum werden Touchscreens verwendet, um Massen an Text umzublättern. Diese hängen zwischen Texttafeln. Daneben sind auch einige Puppen und Ausstellungsräume im Einsatz, aber vor allem gibt es eines in dem Museum: Text. Altbacken, roh, zwangsdigitalisiert.

Am Wochenende waren wir bei Noctalis: Die Welt der Fledermäuse. Nach einer Führung durch eine Fledermaushöhle (die Dinger schwirrten einem um die Köpfe, absolut cool!) und einer sehr guten Erläuterung zur Entstehung derselben gingen wir in den Ausstellungsteil. Wir bekamen Taschenlampen, die Räume waren eher dunkel gehalten, Informationen mussten „gesucht“ werden. Hier war auch viel Text, aber besser aufgearbeitet, dazwischen immer wieder Ohrmuscheln mit diversen Erzählungen, Videos und Terrarien. Es war nur wenig Digitales vorhanden, aber dank den Taschenlampen und dem Flair passte das alles. Man wurde nicht von Texten erschlagen. Und man lernte mit deutlich mehr Spaß.

Gefühlt letztens (in Wahrheit schon wieder Monate her) waren wir auch bei Mark Benecke in der Vorlesung. Anders kann man das wirklich nicht nennen, wenngleich die Atmosphäre sehr locker war. Das Wahlthema waren seltsame (Selbst-)Mordfälle. Auch hier konnte man vieles lernen, auch wenn nach der Pause einige nicht zurück kamen. Aber das hatte er schon erwartet und in den ersten fünf Minuten angekündigt. Aber das nur am Rande. 🙂

Geiz ist geil. Meine drei kostenlosen Bildungsressourcen.

„Kostenlos ist nicht umsonst!“ schellt es gleich wieder im Gehörgang. Hier habe ich auch eine Weile überlegt, was alles dazu gehört. Ich will jetzt nicht alle Podcasts aufzählen, die ich in gerne höre. Das sind auch alles Bildungsressourcen, so wie auch diverse Fernsehsendungen (beginnend mit der Sendung mit der Maus, vielleicht endend mit Leschs Kosmos). Und neeeein, ich werde jetzt nicht eine EdChatDE Lobhudelei schreiben und das als ersten Punkt aufführen.

Aber fangen wir mal an.

App gehts!

Die letzte App, die ich mir gezogen habe und die ich gerne nutze:

WolframAlpha. Die App war jetzt öfters mal bei Amazon kostenlos verfügbar. Eine unglaublich starke App, nicht nur für Mathematik. Aber hier gerade bei Funktionsanalysen der Hammer: Komplette Kurvendiskussion mit Step-by-Step-Lösungen.

Ich finde, es gibt eine unglaubliche Fülle an sinnvollen und kostenlosen Apps. Allen voran einfach solche Sachen wie Google Drive und Google Docs. Kollaboratives Arbeiten kann so leicht sein. Leider nutzt das kaum eine Schule, bei den meisten ist es sogar schlicht verboten, mit Kulturzugangsgeräten auf dem Schulgelände rumzulaufen. (Ja, sogar in den Pausen. Man könnte ja sonstwas machen!)
Ich hatte kurz überlegt, hier noch eine größere Liste an Apps dranzuklatschen, die ich alle nutze oder nutzen möchte. Das hilft aber nüscht und trifft die Frage nicht. Also, weiter geht es.

Schiff ahoi!

Vor gar nicht allzu langer Zeit war Kieler Woche. Neben einer guten Wanderung haben wir hier auch diverse Militärschiffe der britischen Marine gesehen, unter anderem einen Hubschrauberträger. Sehr interessantes Ding. Insgesamt ein riesiges Fest, unglaubliche Menschenmengen unterwegs. In der Innenstadt leider das übliche: Fressbuden an jeder Ecke, kaum wichtiges. Nebenbei die Regatten in der Kieler Bucht, dazwischen auch viele historische Schiffe, wunderschön anzusehen.

Kurz davor war bei uns in der Stadt Tag des offenen Schiffs. Diverse schöne Dreimaster aus längst vergangenen Zeiten lagen im Museumshafen. Wunderschön und informativ. Leider waren die Stände drumrum einfach schlecht: Flyer wurden verteilt, alte Menschen sprachen mit anderen alten Menschen über alte Themen. Hier hätte man einiges tun können, um diese Veranstaltung in ein mediales Spektakel zu verwandeln. Der Zeitungsartikel dazu war auch schön kurz.

Ich bin ja eigentlich kein großer Schiffsfan und gebürtiger Festlandler, aber imposant sind die Pötte ja. Und man kann natürlich auch immer gleich mit Archimedesprinzip und Auftrieb und Physik und so anfangen, den Schülern noch was beizubringen, wenn man davon erzählt…

MOOCste mitmachen?

Im Frühjahr startete mit mooin eine neue MOOC-Plattform. Ich habe am MOOC „Mein digitales Ich“ teilgenommen. Ich fand die Idee sehr spannend, nicht nur zwangsweise für „mich selbst“, sondern auch, um zu schauen, wie andere Menschen mit ihrem digitalen Fingerabdruck klar kommen. Letztendlich war das auch das, was ich vom Kurs mitnahm: Es gab eine Spanne von Aluhut bis Offenheit in dem Kurs. Insgesamt finde ich das MOOC-Konzept sehr schön: Offene Kurse, für alle zugänglich, viel Diskussionskultur. Inwiefern der Hype die Zeiten überdauern wird, muss man mal schauen.

Kanns noch ein bisschen mehr sein?

Die Frage, die noch im Blogstöckchen gefragt wurde, war: Wann gebe ich Geld aus?

Immer dann, wenn ich denke, dass es sich lohnt. Ich gebe ungern Geld aus, noch viel ungerner fremdes. Investitionen sind sinnvoll, aber nur, wenn sie was taugen. Gerade in der heutigen Zeit ist das schwierig abzuschätzen. Es kommt so viel auf den Markt, was toll aussieht, aber dann doch nur verpacktes Plastik ist: schnell kaputtgespielt. Das sieht man in der Computerspielebranche und leider auch bei der Bildung.

OER sind hier ein sehr interessantes Thema und vielleicht der „neue heiße Scheiß“ demnächst. Aber auch hier: kostenlos heißt nicht umsonst, und frei heißt auch nicht zwangsweise für Jedermann verständlich. Qualitätsmanagement ist hier die große Diskussion, die man noch über Jahre hinweg führen wird. Und leider sind auch viele Sachen, die man als Mathelehrer im Netz findet, zwar frei zugänglich, aber nicht frei an sich. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich für Inhalte bezahle oder sie frei bekomme, solange der Inhalt an sich gut ist. Ich hätte auch nix gegen eine „Bildungsflat“, solange mir gewährleistet werden könnte, dass sie einen guten Standard hat. Aber das kann ja keiner. Sollen sich die Schulverlage doch weiter kloppen, wer das bessere Buch hat – irgendwann wird sie das Internet einholen und überrollen. 🙂

Seien Sie dabei, wenn es wieder heißt…

Auch so ne Frage: Machst du auch OER? Klare Antwort in dem Fall: Jain. Ich habe bei den Podcasts von zugehOERt die Artikel erstellt und sie wurden unter CC-Lizenz veröffentlicht. Einige Sachen, die ich erstelle, kann ich aber nicht komplett offen präsentieren, sei es aus Schutzgründen, weil sie Klarnamen verwenden, oder auch einfach, weil es dann „Spoilergefahr“ gebe. Und jedes Jahr sage ich mir: Ja, diesmal wirst du beim ZUM mithelfen. Naja, dieses Jahr mache ich beim Workshop vorm EduCamp Berlin vom ZUM mit. Das wird hoffentlich einen Anfang markieren…

TL;DR: In der Kürze liegt die Würze.

Kurzum: Ich finde die Idee des Blogstöckchens nicht schlecht. Ich blogge eh viel zu selten. Was ich vor allem gemerkt habe: Ich führe eindeutig nicht Buch darüber, welche Bildungsressourcen ich so nutze. Aber das wäre so, als würde man Leute fragen, was sie vor zwei Wochen gegessen haben: Die „Nutzung“ ist so selbstverständlich, dass man sich darüber keinen Kopf macht.

Nun kommt die leidige Aufgabe.

The Knights Who Say Ni von CGP Grey, veröffentlicht unter CC-BY 2.0 Lizenz.

Die Ritter, die immer Ni sagen, fordern von euch ein Opfer!

Da hier nicht nach Konsequenzen der Nominierung gefragt wird, nominiere ich einfach mal frei heraus:

  • Torsten Larbig (@herrlarbig), weil mich seine letzten 2×3 Bildungsressourcen sehr interessieren;
  • Bob Blume (@legereaude), weil ich mir da gaaanz anderes erhoffe;
  • Mandy Schütze (@ma_y), die vermutlich nochmal eine andere Sicht einbringt. (Stichwort #ZUM und #LebenmitKindern)

Ich bin gespannt!

Verteufelt das Neue! #meckerlehrer

Wir leben in sehr interessanten Zeiten. Digitalisierung, neue Geräte, #BYOD, all diese Technik-affinen Kinder, die eher mit dem Smartphone in der Hand vor Laternenpfosten laufen, anstelle die Welt um sich herum zu betrachten – Moment, das bin ich selbst gewesen, beim Ingress spielen… Davon mal ab: den Technikwandel kann man nicht aufhalten. Das weiß man schon seit der Dampfmaschine, auch wenn dieses „Teufelszeug“ jahrelang abgelehnt wurde, so kam doch die Steckdose ins Haus, der PC in die Steckdose und das Kinderfoto ins Facebook.

Medium oder gut durch?

Doch interessant wird das ganze, wenn man sich den technischen Fortschritt an den Schulen anguckt. Sofern man welchen findet. „Aber da tut sich doch was!“ muss es jetzt als Echo schallen, immerhin gibt es Whiteboards, Rechnerräume, sogar #BYOD und Tabletklassen, Laptopklassen, Appleklassen.. und wie sie alle heißen. Ja, die Projekte gibt es, aber sehen wir es doch mal realistisch: Das sind die oberen 5% (sinds 5%? Gerne eine Studie verlinken, danke!), nicht die breite Masse. Denn die meckert lieber lautstark darüber, wie verdorben doch die Jugend durch die neue Technik wird.

Sehr passend dazu der aktuelle Beitrag des Spiegel, der mich doch positiv stimmte. Bis ich die Kommentare sah. Und die Angst des Pöbels förmlich glühen fühlte wie damals mit Pechfackeln und Mistgabel. (Der Pöbel möge mir verzeihen. Mistgabeln sind schließlich mittlerweile outgesourced und durch Smartphones ersetzt.)

Damals, zu meiner Zeit…

Mein spontaner Gedanke, als wir uns die Beiträge Zuhause vorlasen: „Was wäre nur gewesen, wenn es damals˜ schon Kommentarfunktionen gegeben hätte? Zur Einführung der Tafel? Wie würde die Welt heute aussehen, hätte jemand Gutenberg gesagt: Bücher, brauchmer nicht, die Schüler lernen doch so schon gut?“ Ich hab meine erste Wut dann unter dem Hashtag #meckerlehrer auf Twitter verrauchen lassen.

Den Rest tobe ich jetzt hier aus.

Medien sind im Wandel. Wer hätte es nur erwartet? Sehr schön dazu das Medienquiz von Sandra Schön (danke dafür, hat mich immer wieder erheitert). Sehr passend dazu mal:

… Die Pädagogen, die [DAS MEDIUM] in ihren Unterricht einführten, wurden [zu Beginn] mit Berufsverbot belegt […] [DAS MEDIUM] machte sozial-kommunikative Unterrichtsprozesse möglich, die im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht […] als subversiv erlebt wurden

Teaching Chemistry by starmanseries (CC BY)

Hier geht es um… die Tafel. Aber im Prinzip ist das 1:1 auf Tablets, Etherpads, Google (oh, ich brenne nicht, obwohl ich das böse Wort schreibe) und ähnliches anwendbar. Jede Einführung neuer Medien bringt auch Kritik mit sich, das ist doch „normal“, dass man sich kritisch damit auseinandersetzt. Aber fordern wir nicht immer von unseren Schülern, dass sie sich dennoch mal darauf einlassen und dann doch mal das Buch lesen, den Film auf Englisch schauen oder gar doch ein Word-Dokument anlegen, anstelle die nächste Hausarbeit fünfzehnseitig handschriftlich anzufertigen? Wollen wir den Schritt nicht alle gehen und nicht nur von unseren Schülern erwarten?

TL;DR

Bei all dem Gemecker: Es gibt auch immer wieder gute Zeichen in der Welt da draußen, Lehrer, die an ihren Schulen als Leuchttürme fungieren, die Technik voranbringen und dieses ständige Gemeckere ertragen. Dennoch, die Welt der Kommentierfunktion ist groß und laut. Und leider damit auch berechenbar geworden. Ich verstehe auch jeden, der sich bei all dem lauten Gemecker wieder auf die „gute Schule“ verlässt, Tafelbilder mit Kreide erstellt – oder es auch einfach nicht anders kann, weil das Geld fehlt, denn auch das ist Realität in deutschen Schulen. Doch all den Systemkritikern, die jeglichen Wandel als Gefahr für Bildung und geistige Entwicklung sehen, wünsche ich einen größeren Blick aufs Ganze und ein wenig mehr Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand, den sie mit ihrer Digitalkritik doch sowohl Lehrern als auch Schülern oft aberkennen.

Netzfundstück: Geek Parents

Um uns herum bekommen alle Kinder. Unsere Kommilitonen haben welche, unsere Arbeitskollegen… Da denkt man sich – neben dem eigenen Erwerb eines Sprosses – nur: Was tun, wenn sie mal da sind?

Einige Eltern wählen da einen sehr interessanten Weg, dem Kind naturwissenschaftliche Grundlagen zu vermitteln. Im besonderen Fall der GeekParents ist das eine Mutter, die eines ihrer Kinder im Heimunterricht erzieht. Dabei wählt sie sehr interessante Wege, dem Kleinen Physik und Chemie zu vermitteln. Nicht selten wird zur Legokiste gegriffen, im Werkzeugkasten gestöbert und einfach mal die Welt entdeckt. Immer möglichst verbunden mit Spaß, Unterhaltung und der Lehre. Lesenswert!

Mathe Metal mit dem goldenen Schnitt

Mathe Metal mit dem goldenen Schnitt

Das Netz verwundert immer wieder. Diesmal: Ein wundervoller Blog, der in diesem Fall den goldenen Schnitt erklärt und ein Video verlinkt, in dem mit eben dem Goldenen Schnitt Metalmusik gemacht wird. Viel Spaß!

Netzfundstück: Dinge, die man im Lehramtsstudium lernt.

Der Graphitti-Blog begeistert mich schon seit einer Weile. Er präsentiert recht lustige Statistiken, meist in Kuchendiagrammen oder ähnlichem, bei denen man sich regelmäßig bei dem Gedanken „Stimmt irgendwie.“ erwischt.

Sehr passend finde ich das heutige Diagramm zum Thema Wissensvermittlung im Lehramtsstudium. Wenn wir ehrlich sind, vermittelt die Uni uns vor allem eines: Unmengen von Wissen, was wir dem Schüler eh nie beibringen werden, weil die Zeit nicht reicht. Die didaktischen Konzepte sind meist gut, letztendlich kommt es aber immer darauf an, wie man sich vor dem Schüler profiliert – und bei möglichen Wissenslücken nicht ins Schwitzen oder schlimmer, ins Stottern, gerät.

Graphittiblog Lehramtsstudium

Herzlichen Dank an den Graphitti-Blog für ein neues "Stimmt"-Gefühl.

Netzfundstück: Bildungsmonitor

Heute stieß ich im Netz auf den Bildungsmonitor der „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“ (kurz: INSM). Hier werden Informationen zu den aktuellen Bildungssystemen in einem Ranking miteinander verglichen. Sehr interessant ist das Dynamik-Ranking: Man sieht gut, dass einige Länder an der aktuellen, teils frustrierenden Situation etwas ändern wollen und können.

Aus Mathematikersicht muss ich hinzufügen: Sehr schön, dass man bei den Vergleichsbalken eine vernünftige Skalierung gewählt hat. Negativbeispiele lassen sich ja zur Genüge finden.

Faszinierend ist vor allem, dass die Länder mit dem höchsten Ranking diejenigen sind, die schon immer das G8, also das verkürzte Abitur, hatten und nach der Wende auch behielten. Wenn man sich vor Augen führt, wie groß das Gemaule über die Umstellung in anderen Bundesländern ist, muss man sich zwangsläufig fragen, ob die Umstellung an sich oder das G8 Schuld hat

Die Schüler, die ich in den Klassen, die es betrifft, unterrichte, haben bisher auf jeden Fall wenig von der Umstellung gemerkt. Als Lehrer merke ich natürlich, dass die Schüler gut ein Schuljahr früher mit Problemen wie Pythagoras, Strahlensatz und co auftauchen. Die Eltern und Schullehrer scheint das aber viel mehr zu stressen. Die Einführung der Umstellungsphase fiel für die Eltern zu kurz aus, die Lehrer, die ich dazu befragte, verwiesen auf schlechte Lehrbücher oder ein „Unterrichten mit zwei Buchversionen“. Letztendlich läuft es eh wieder auf das „Learning on Demand“ hinaus: Die Schüler büffeln den Lehrstoff und verdrängen ihn schnell hinterher, weil der Lehrer durch die Themen zu hetzen scheint. Was hängen bleibt, ist meistens nicht viel. Als Nachhilfelehrer kann man da natürlich gut ansetzen, parallelen Unterricht aufbauen, Sachverhalte vertiefen. Aber sollte – vor allem der letzte Punkt – das nicht Aufgabe der Schule sein?

Netzfundstück: Prozentrechnung live

Heute beschäftige ich mich mit der Prozentrechnung. Sie ist ein elementarer Bestandteil des Lebens – spätestens bei den großen Klamottenketten werden uns die Prozentzeichen nur so um die Ohren gehauen. Der Begriff selbst stammt aus dem Lateinischen: „pro centus“ – vom Hundert oder Hundertstel. Im Prinzip handelt es sich also um einen normierten Bruch, dessen Zähler genannt wird. 5% entspricht also fünf von hundert.

Die Prozentrechnung erleichtert es uns, Verhältnisse miteinander zu vergleichen. (siehe relative Häufigkeit) Dabei wird eine bestimmte Treffermenge durch eine Gesamtheit geteilt. Umgekehrt kann man auch Prozentmengen bestimmen, indem man den Dreisatz anwendet. Hier ein kleines Beispiel:

100% entsprechen 70.000€. | : 100

1% entsprechen 700€. | *7

7% entsprechen 4900€.

7% von 70000€ entsprechen also 4900€. Die Rechnung an sich ist also relativ simpel. Die Formel laut Tafelwerk lautet dazu: Z=K*p/100. Warum ich das alles so schön ausführe? Gestern bei der Tagesschau fiel ich leider fast vom Stuhl. Hierzu das Youtube-Video.

Netzfundstück: Statistik selbst gemacht II

Mal wieder ein feines Netzfundstück zur Statistik. Heute: Balkendiagramme.

Angefangen bei den Boxplot-Diagrammen, die man grob mit der Einführung der Stochastik in der 7. Klasse beigebracht bekommt, sollte man verstehen und interpretieren können, was eine Box aussagt. Im allgemeinen Fall ist eine große Box meist schlecht für meine Stichproben. Interpretation von Messergebnissen jeglicher Art ist damit also nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern anhand von Daten auch ablesbar.

Wie ich – wieder bei BildBlog – gelesen habe, schafft man das manchmal nicht ganz. So wird im folgenden Bild schön dargestellt, in welchem Maße die links- und rechtsextremistischen Straftaten im Laufe der Zeit abgenommen haben:

ZDF Balkendiagramme

Quelle: Bildblog - Das ZDF präsentiert die Balkendiagramme zu den Extremismus-Straftaten

Sehr interessant ist dabei natürlich, dass die relative Häufigkeit von Straftaten verglichen wird, aber nicht die absolute. „Relativ“ ist – Achtung, Klugscheißmodus – dabei vom lateinischen „relativus“ kommend und bedeutet so viel wie „sich beziehend auf“, „absolut“ von „absolutus“, also losgelöst. Bei absoluten Häufigkeiten werden also in dem Fall die Straftaten an sich betrachtet. Die relative Häufigkeit berechnet sich erst durch die Division der neuen durch die alten Zahlen.

Natürlich kann man auch die relativen Häufigkeiten vergleichen. Aber dabei geht mindestens die Aussage verloren, dass in absoluten Zahlen nur knapp ein Drittel der Straftaten linksextrem geprägt sind. Frei nach dem Leitspruch: „Traue keiner Statistik, die…“

Vielen Dank an das Team von Bildblog für den Artikel.

Netzfundstück: Youtube als Lehrplattform

Da ich im Open Course der Uni Frankfurt mitmache und mich im Rahmen – eher still als laut – über die Möglichkeiten des Lernens mit den neuen Medien beschäftige, möchte ich mal ein paar Sachen hier erwähnen, die dem Schüler der Gegenwart ein wenig Erleichterung verschaffen können.

Youtube hat sich ja mittlerweile bei vielen Leuten etabliert. Dort findet sich alles mögliche – von Videos, wie Leute auf die Nase fallen, über Mitschnitte im Fernsehen…. bis hin zu Lehrreichem.

Ein wunderbares Beispiel ist das allseits beliebte Oberstufenthema Kurvendiskussion. Bemüht man mal kurzerhand die Suchfunktion, finden sich gleich etliche Lehrvideos, hier mal eines rausgepickt, was relativ schön war:


Ebenso finden sich für die meisten Begriffe Videos, beispielsweise auch chemikalische Reaktionen. Im Open Course wird darüber diskutiert, wie man dem Schüler nun so etwas nahe legen kann. Viele Schulen investieren derzeit in Whiteboards und ermöglichen so diverse Aufrufe von digitalen Medien. Ich wünsche mir jetzt nur noch, dass auch viele Lehrer diesen Schritt nach vorne wagen…