KaiObis Blog

So kann mans auch sehen…

#sooc13: Urheberrecht, Datenschutz, Facebookeritis und andere ansteckende Krankheiten

„Du hast ja noch gar nichts selber geschrieben.“ „Aber kommentiert!“ „Naja, aber eigentlich…“

Gut, stimmt schon, man kann auch selber was schreiben.

Die dritte Themenwoche des SooC behandelt ein Thema, was auch schon lange im EduCamp heiß diskutiert wird: Was tun mit den Inhalten, die wir so erstellen? Sollen wir die veröffentlichen, wenn ja, in welcher Form? OER (Open Educational Resources) hing da im Raum, ebenso die Frage, welche Plattformen man zur Verbreitung nutzen kann.

Das Interview mit Jöran Muuß-Merholz habe ich mir hinterher mit großem Interesse angesehen. Die Facebook-Debatte, die sich daraus entwickelte, fand ich durchaus … witzig. Es waren die gleichen Schwierigkeiten, die ich damals hatte, als ich meinen Facebook-Account reaktivierte (eigentlich hatte ich ja gehofft, er wäre gelöscht…), um mich für meine Schüler wieder „findbar“ zu machen.

Hintergrund: Ich gebe seit mittlerweile über 10 Jahren Nachhilfe in Mathe, Chemie und Physik. Im Laufe der Zeit haben sich die Kommunikationsmittel, die die Schüler gerne selber benutzen, stark gewandelt. Anfangs riefen noch die Eltern an, schrieben Mails… nach und nach wurden die Schüler aktiver, schreiben auch mal direkte Fragen. Ich gebe seit jeher auch meine ICQ-Nummer mit an, habe für die Schüler eine eigene Gruppe eingerichtet. Facebook lief damals als Plattform neben StudiVZ für mich zur eigenen Kommunikation, letztendlich wollte das aber im Freundeskreis kaum einer nutzen. Das Argument, damit im „Kontakt mit alten Freunden“ zu bleiben, blieb bei mir nicht hängen, definiere ich Freundschaft doch anders als mit alljährlichen Gruschelattacken. Facebook konnte also weg…

… bis ich auf meinem ersten EduCamp in eine Debatte geriet, inwiefern Facebook genutzt werden kann. Wichtigste These, die ich dort mitbekam: „Hole die Schüler dort ab, wo sie bereits sind.“ – das ist derzeit Facebook, auch wenn sich das langsam zu wandeln scheint.

Meine Idee dabei: Ich bin da, aber bin größtenteils passiv. Ich lasse mich anschreiben, ich lasse mich als Freund einladen. Ich betrete keine Gruppen, sofern es sich vermeiden lässt. Ich poste so gut wie nie auf die Boards meiner Schüler. Ich habe „Öffnungszeiten“, in denen ich reagiere. Wenn ich auf dem Facebook-Kanal nicht reagiere, wissen meine Schüler, wie sie mich sonst noch bekommen können – zu bestimmten Uhrzeiten.

Grundlage dabei ist, den Schülern ihren Wohlfühlraum zu lassen. Ich will die Schüler nicht beeinflussen, wie sie ihre Aufgaben erledigen, Hauptsache sie tun es. Wenn sie es in ihrer Gruppe ausdiskutieren, freut mich das, wenn sie abschreiben wollen.. nun ja, dann sind die Aufgaben immerhin gemacht – und der Schüler musste ja durchs Abschreiben auch den Lösungsweg notieren, auch dabei bleibt was hängen. (Sonst würden Unis ja nicht so dermaßen aufs Abschreiben abfahren… *duckt sich*)

Das beste Beispiel habe ich schon in einem anderen Blog erwähnt: Einer meiner Schüler zog derbe über meine Kollegin ab, die mit mir im Gespräch war. Öffentlich über seinen Facebook-Kanal. Ich las mit, meine Kollegin schmiss ihn raus, der Vater kam hoch, fragte nach, was das solle… und zog wütend wieder ab, als wir ihm den Text zeigten. Einen Tag später war der Text gelöscht, der Schüler hatte eine neue Gruppe angelegt, in die er „offizielle“ Freunde ablegte. Meine Reaktion? Ich brachte in der nächsten Gruppenstunde, in der jener Schüler auch anwesend war, eine Viertelstunde das Thema „Organisation von Gruppen in Social Networks wie Facebook“ auf den Tisch. Machte klar, dass wir „Lehrer“ auch nur „Menschen“ sind – und mitlesen können, wenn sie es nicht einstellen.

Meine Mutter sagte damals etwas wunderschönes: „All die schmutzigen Wörter bleiben draußen, sowas will ich Zuhause nicht hören.“ Meine Agenda im Internet ist ebenso simpel: „Schreibe nix, was deine Mutti nicht lesen sollte.“

Ich bin ein Fan von OER, habe leider bisher aber kaum Zeit dafür gehabt, selber welche zu erstellen. Mein Blog läuft unter CC-Lizenz, weil ich denke, dass Inhalte, die ich poste, auch geteilt werden sollten. Meine Instagram-Bilder sind ebenso unter CC-Lizenz. In der Naturwissenschaft lernt man ohnehin, dass Wissen frei ist. Der Umgang damit ist denke ich das entscheidende Kriterium, was aus freien Inhalten gute Bildung macht. Facebook hat Potential. Google+ auch, Moodle-Systeme ebenso, auch wenn mein eigenes Moodle keinerlei Zuspruch bei meinen Schülern erhielt.

Auch im späteren Berufsleben werde ich weiterhin Aufgaben über den Blog verlinkt auf Facebook und anderen Netzwerken posten, Bilder der Tafel (bzw. die Präsentationen der digitalen Tafel) veröffentlichen und auf Fragen antworten, sofern es die Zeit hergibt. Immer mit einem Öffnungsschild davor und einem Regelwerk im Hintergrund, damit klar wird: Ich bin hier, wenn ich es will.

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